Hundeverein Grafik Rudelstellung Kopie

Die vorstehend behandelten Themen – Geburtsstellung, Stellungsfähigkeit, Tabuzone – sind für den einzelnen Hund und seine spätere Entwicklung von großer Wichtigkeit, sie sollten bei Aufnahme eines Hundes grundsätzlich beachtet werden. Will man darüber hinaus – insbesondere bei Aufnahme weiterer Hunde – das Wissen über die vererbten Rudelstellungen berücksichtigen, so lautet für den Anfang die wichtigste Frage: Wie viele Hunde möchte ich einmal maximal halten? Denn aus der Antwort auf diese Frage ergeben sich weitere grundlegende Empfehlungen, die unbedingt beachtet werden sollten.

Einzelhund - Welpe

Wird nur ein Hund aufgenommen, sollte immer nur der Vorrang- oder der Nachrang-Leithund (VLH bzw. NLH) in Frage kommen. Sofern es ein Nachrang-Leithund (NLH) sein wird, sollte darauf geachtet werden, dass er aus einem Wurf stammt, in dem die Geburtsstellung des Nachrang 3. Bindehunds (N 3) fehlt. Auch ist es möglich, aus einem Wurf der Kategorie 3 mit Doppelbesatz der Geburtsstellung N 3 den Nachrang-Leithund als Einzelhund zu halten. Da beide Stellungen – Vorrang-Leithund und Nachrang-Leithund – sich in den aufgezeigten Wurfkonstellationen ohnehin separieren, werden sie keine Probleme haben, ohne weitere Hunde entspannt zu leben.

Geduld und Einfühlungsvermögen quittieren beide Stellungen mit großer Bereitschaft, sich dem Menschen ohne Probleme anzupassen, auch wenn Hunde dieser Stellung sicher nie zu einem „Platz-, Sitz- und Fußhund“ werden (es sei denn, man zerstört die hohen Fähigkeiten dieser Stellungen). Aber sie werden alles freiwillig richtig machen, wenn ihnen die Menschenwelt und die daraus folgenden Verhaltensregeln richtig erklärt werden.

Alle Hundekontakte, die nicht zu dieser Geburtsstellung passen, sollten unterbunden werden, bis die Tiere als erwachsen gelten, wobei der Zeitpunkt je nach Rasse schwankt. Die einzigen, wirklich förderlichen und damit gewünschten Hundekontakte sind für den VLH der Vorrang 2. Bindehund (V 2) und für den NLH der Nachrang 3. Bindehund (N 3).

Im Anschluss an die geistige Reifung kann man den Vorrang- und Nachrang-Leithunden die freie Kommunikation mit allen Hundestellungen durchaus selbst überlassen. Sie werden immer stehen bleiben und abwarten, dass der Fremdhund sich ihnen nähert, nie umgekehrt.

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Formation Welpe mit Mensch beim wandern.

Jeder Welpe benötigt vor sich einen menschlichen Körper, wenn er alleine aufwächst und zwar immer und überall.

Damit bleibt der Welpe in seiner Geburtsstellung und öffnet sich niemals die Schranke nach vorn selbst, um in eine andere, unbesetzte Geburtsstellung zu wechseln. Dies ist unbedingt zu beachten, da dieser Stellungswechsel die Ursache für (fast) alle Probleme mit Hunden darstellt.

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Formation Welpe mit Mensch bei Außenreizen.

Der menschliche Körper steht immer aufgebaut zum Außenreiz mit dem Rücken zum Welpen.

Diese Empfehlungen mögen auf den ersten Blick ungewohnt und als schwierig umsetzbar erscheinen, jedoch werden sie mit etwas Übung schnell in Fleisch und Blut übergehen, zumal jeder Hund mit seinem Verhalten die menschlichen Bemühungen honorieren und somit die zuverlässigste Hilfe sein wird.

Was der Mensch an Fähigkeiten mitbringen sollte:

  • ein flexibles Einfühlungsvermögen
  • klare Definition der eigenen Ziele
  • sicheres Auftreten im Einklang mit dem eigenen Innenleben und seiner Außendarstellung
  • keinen Hang zu diktatorischen Handlungsweisen

Besitzt man als Mensch diese Fähigkeiten, kann auch ein Laie mit diesen Geburtsstellungen ohne Probleme durch die Menschenwelt gehen. Man sollte aber immer daran denken, dass Hunde dieser Stellungen ihren Menschen laufend in seiner Fähigkeit bewerten, mit dem Hund richtig zu kommunizieren. Die eigenen Fehler sollten immer sofort offen gegenüber diesen Stellungen zugegeben werden und das Feedback auf diese Entschuldigung sollte man akzeptieren. Damit sind Hunde dieser Stellungen in der Lage, das Vergangene sofort zu vergessen und neu mit ihrem Mensch zu starten.

Für ängstliche, unsichere Menschen sind diese Geburtsstellungen dagegen ungeeignet.

Einzelhund - erwachsener Hund

Die obige Stellungsempfehlung gilt auch für erwachsene Hunde. Es ist aber wichtig, dass der Hund keine Verhaltensauffälligkeiten zeigt. Sind solche bereits erkennbar, sollte ohne fachkundige Begleitung von der Aufnahme eines solchen Hundes abgesehen werden.

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Formation VLH mit Mensch beim wandern

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Formation VLH mit Mensch bei Außenreizen.

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Formation Mensch mit NLH – immer konstant.

Führung durch den Menschen

Damit der Hund sich ohne Probleme in der Menschenwelt zurecht findet, braucht er als Orientierung den Menschen, der ihm diese Welt erklärt und ihn auf die notwendigen Verhaltensweise aufmerksam macht und ihm sozusagen als „Übersetzer“ zur Seite steht.

Sofern nur ein Einzelhund gehalten wird, sollte es sich – wie schon ausgeführt – möglichst um einen Leithund handeln. Nur auf diese Stellungen beziehen sich die nachfolgenden Ausführungen.

Die Beziehung zwischen Mensch und Leithund ist geprägt von gegenseitiger Rücksichtnahme und Respekt (die jeweiligen Bedürfnisse von Mensch und Hund werden berücksichtigt; es erfolgen Absprachen, keine Kommandos; eine Konditionierung findet nicht statt; die Gemeinschaft wird auf partnerschaftlicher Ebene ausgebildet; es wird in Ruhe gemeinsam die Welt erkundet, der Hund kann dies in seinem Tempo vollziehen – zum Beispiel beobachten, Markierungen lesen, orten).

Mit Bewertungen, Feedback, Absprachen, dosiertem Heranführen an neue Situationen und Aufgabenteilung je nach Zuständigkeit steht der Mensch seinem Hund bei und vermittelt ihm die Anforderungen unserer Welt (zum Beispiel „es wird nicht gejagt“, „Spaziergänger lassen wir in Ruhe“, „wir bleiben auf den Wegen“). So ist der Eckhund dann in der Lage, auch eigenständig für die Gemeinschaft passende Entscheidungen zu treffen. Um seiner Stellung gerecht zu werden, sollte er dabei entsprechende Freiräume bekommen (zum Beispiel die Wahl des Spazierweges; die Ruhe, um Situationen aufnehmen, einschätzen und bewerten zu können; entsprechenden Freilauf; den nötigen Raum, um Reizen ausweichen zu können).

Hat der Eckhund die Erfahrung gemacht, dass der Mensch seine Rudelstellung und Bedürfnisse achtet, respektiert und seinen Umgang der Stellung anpasst, dann erweitert sich die Hund-Mensch-Kommunikation stetig und wird von gegenseitiger Kooperationsbereitschaft geprägt. Auf dieser engen Verbindung zwischen Mensch und Hund bauen sich Vertrauen, Verlässlichkeit und auch Freiheiten auf.