Optimale Bedingungen für unsere Hunde

Wer bereits die „Begrüßung“ gelesen hat, wird sich vermutlich schon gefragt haben: „Kann das stimmen?“, „Wie soll das gehen?“ und vielleicht den Kopf geschüttelt haben: „Das hab ich ja noch nie gehört!“

So unwahrscheinlich sich diese ersten Aussagen der Begrüßung vielleicht anhören, so faszinierend werden sie erscheinen, je weiter man sich mit dieser Thematik beschäftigt. Je tiefer man in die Zusammenhänge eindringt, je klarer man erkennen kann, dass bereits diese ersten Schlafbilder schon verraten, auf welche Weise der jeweilige Welpe im späteren Leben einmal Umweltreize wahrnehmen und verarbeiten wird, welches Sozialverhalten gegenüber Artgenossen und selbst welches Gang- bzw. Bewegungsbild er einmal zeigen wird.

Wenn ... ja, wenn die Umstände dies zulassen. Wenn bereits bei der Zucht die Rudelstellung der Elterntiere berücksichtigt wird, wenn der Mensch die Welpen in den ersten Wochen in der notwendigen Art und Weise behandelt (zum Beispiel die selbst gewählten Positionen der Welpen in der Wurfkiste nicht verändert, die Welpen später nicht ständig „bespaßt“), bei Abgabe der Welpen auf die Stellung eventuell im Haushalt schon lebender Hunde achtet usw. usw. Bereits diese Startbedingungen werden die Welpen entscheidend für ihr weiteres Leben (positiv) prägen.

Aber unser Fokus liegt nicht nur auf den Welpen, auch jeder erwachsene Hund sollte aus unserer Sicht die Möglichkeit bekommen, nicht nur stellungsgerecht behandelt und vom Menschen geführt zu werden, sondern – sofern ein weiterer Hund aufgenommen werden soll – auch mit dem passenden Partner leben zu können. Denn dies ist für manche Stellungen sogar essentiell; insbesondere für die so genannten Bindehunde, ganz im Gegensatz zu den so genannten Leithunden, die durchaus allein mit einem Menschen leben können. Nur mit dem passenden Partner kann es diesen Hunden gelingen, als ein in sich ruhender, selbstsicherer und unauffälliger Hund durchs Leben zu gehen.

Und dafür, dass diese optimalen Umstände für möglichst viele Hunde erreicht werden können, setzen sich alle Mitglieder unseres Vereins „Vererbte Rudelstellung der Hunde e.V.“ nach Kräften ein. Dafür stellte Barbara Ertel ihr Wissen und ihre Erfahrung bereitwillig zur Verfügung. Dafür gibt es diese Seite und unser Forum.

Dafür gibt es aber auch das Buch „Der Verständigungsschlüssel zum Hund“, welches, aufbauend auf dem Wissen von Barbara Ertel, von Silke W. Wichers geschrieben und im Jahre 2013 veröffentlicht wurde. Das Buch stellt in einem größeren Zusammenhang die Sozial- und Kommunikationsstrukturen der Hunde vor. Es beschreibt die idealtypischen Abläufe zwischen den einzelnen Hunde(stellunge)n und ermöglicht mit umfangreichen Erläuterungen interessierten Menschen einen ersten Einblick in dieses Thema. 

Tagtägliche „Arbeit“

Allerdings ist dieses Wissen über die vererbten Rudelstellungen kein Thema, welches man mit einem Buch und einigen interessanten Artikeln bereits erfassen könnte. Dies kann nur ein erster Schritt sein, mit dem man sich das theoretische „Rüstzeug“ aneignet, um einen klareren, schärferen Blick zu bekommen. Damit aber beginnt das eigentliche Abenteuer erst, denn alles, was in diesem Wissen steckt, kann man letztlich nur real in der Praxis wirklich erfassen. Nur über die (tägliche) genaue Beobachtung der Hunde lassen sich die einzelnen, stetig wiederkehrenden Muster erkennen, über die die Hunde sich austauschen und strukturiert organisieren.

Nur wer sich auf diese „Arbeit“ einlassen will und kann, wird sich weiter mit diesem Wissen beschäftigen. Es ist also nicht unbedingt etwas für Menschen, die einen sportlichen Begleiter suchen oder einen Hund halten wollen, der gerade angesagt ist; ebenso wenig ist es etwas für Menschen, die von einem Hund Gehorsam und Unterordnung erwarten oder – das Gegenteil – die ihm ausschließlich mit Aufmerksamkeit und Zuwendung begegnen, ihm jeden Wunsch von den Lefzen ablesen wollen.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Wir bewerten dies nicht, es steht uns nicht zu! Unser Blick ist schlichtweg ein anderer: Wir sehen in einem Hund zu aller erst ein selbständiges Wesen, mit dem wir eine Partnerschaft auf Augenhöhe eingehen, das wir aber in seinen hündischen Bedürfnissen ernst nehmen wollen.

Alle Menschen, die sich auf unseren Seiten aufhalten und dabei geblieben sind, haben sich auf diese notwendige Veränderung ihrer Einstellung eingelassen. Denn das Wissen über die vererbten Rudelstellungen geht von diesem grundlegend anderen Verständnis der Mensch-Hund-Beziehung aus, was sich wiederum in einem anderen Verständnis der Mensch-Hund-Kommunikation niederschlägt.

Es bedeutet, dass man bereit ist, sich auf seinen Hund einzulassen, auf die Kommunikation mit ihm, was naturgemäß nie ein abgeschlossener Prozess sein kann. Es bedeutet nicht, sich ein paar Informationen heraus zu picken, sich eine Art Handlungsanweisung zusammenzustellen mit Tricks und Kniffs – diese Erwartung führt in die Irre. Es bedeutet – und nicht nur für den Hund – tagtägliche „Arbeit“ – an sich selbst, an einem besseren Verständnis seines Hundes, an einer besseren Kommunikation mit ihm ... wie in jeder Partnerschaft.

Aus diesen Gründen kann die Entscheidung für oder gegen das Wissen über die vererbten Rudelstellungen nie eine Überredung, ein Zwang, ein Missionieren sein. Jeder Mensch muss für sich selbst entscheiden, ob er diesen Weg gehen will. Und eine solch weitreichende Entscheidung fällt man nicht zwischen Tür und Angel. Dieses Wissen ist kein Konsumprodukt und passt nicht in einen 140 Zeichen-Tweet, weshalb man weder bei Twitter, facebook oder anderen sozialen Medien Seiten, Werbung, Stellungnahmen oder öffentliche Auftritte von uns findet. Wir vertrauen darauf, dass es Menschen gibt, die sich ein eigenes Urteil bilden, dass es Menschen gibt, die offen auf Neues reagieren, die aber vor allem bereit sind, auf ihren Hund zu schauen und ihm zu vertrauen.